Mit Ski durch die Wüste

Aug. 23, 2023 | News | 0 Kommentare

Ein Reisebericht.

Meine Freunde sind gerade hinter einem Dünenkamm verschwunden. Ich stehe alleine in der Wüste und drehe mich um meine Achse. Es ist einer dieser tief befriedigenden Momente, die ich auf meinen Reisen suche und immer wieder finde. Ich puste auf den Filter meines Zoom Objektivs. Der Sand ist überall, rundherum, zwischen den Zähnen, in den Schuhen, unter den Achseln und auch die Kamera ist gepudert mit feinem Sand. Glücklicherweise ist mein Kamerasystem gedichtet, aber ich getraue mich nicht, das Objektiv zu wechseln.

Als mein über viele Reisen bewährter, österreichischer Freund und Bergführer Christoph vorschlug, eine Sandwüste mit Ski zu durchqueren, hielt ich das zuerst für eine Schnapsidee. Auf den zweiten Blick und nach Sichtung seiner Fotos war ich fasziniert. Beide sind wir ausgebildete Profis, leidenschaftliche Skiläufer und Bergsteiger und immer interessiert an besonderen Unternehmungen.

Dass man Sanddünen mit Ski oder Boards abfahren kann, ist nicht neu. Wir planten jedoch eine etwa 100 km lange Ost- West Traversierung der Namib. Die Namib „Ort, wo nichts ist“ gilt als älteste Wüste der Welt und erstreckt sich über 1500 km an der Küste Namibias und Angolas. Die größten Teile der Namib sind öde Kies- und Geröllwüsten. Die Sanddünenwüste ist 400 km lang, reicht aber nur bis 150 km ins Landesinnere hinein. Die Temperaturen erreichen im Sommer 50°C, liegen während unserer Reisezeit, im Juni, tagsüber zwischen 25 und 35°C, nachts um 10°C. Charakteristisch ist die, durch verschiedene Eisenverbindungen verursachte, rötliche Färbung des Sandes. Infolge der Verschachtelung mehrerer Dünengenerationen türmen sich in der Namib einige der höchsten Dünensysteme der Welt auf.

Das war für uns die Herausforderung zu einer besonderen Skitour. Mit zwei weiteren Partnern, die wir von gemeinsamen Expeditionen in der Antarktis kannten, reisten wir nach Walvis Bay in Namibia. Ein örtliches Reiseunternehmen transportierte uns mit Allradfahrzeugen zu unserem Ausgangsort an den Rand der Sandwüste. Die Ausrüstung und etwa zehn Liter Wasser pro Mann und Tag, wurde auf genehmigten Routen zu vorher festgelegten Lagerplätzen transportiert, wo wir uns allabendlich treffen sollten.

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Sand, Hitze und Ski. Passt das zusammen? Es war eine merkwürdige Situation, die Ski in den Sand zu legen. Aber schon nach ein paar hundert Metern wusste ich: Das funktioniert sogar sehr gut. Man gleitet zwar nicht wie auf Schnee, aber man sinkt nur wenig ein. Zu Fuß würde es nur nach dem altbekannten Satz vorwärts gehen: ein Schritt vor und zwei zurück und ich erinnerte mich, dass schon in Vorzeiten Ski zur Überquerung von Sumpfgelände verwendet wurden.

Zu Beginn waren die Dünenketten ziemlich regelmäßig in Nord-Süd Richtung ausgerichtet, aber diese Anordnung wurde, je näher wir dem Atlantik kamen, immer chaotischer und wieder einmal zeigte sich Christophs exakte Planung und Führung. Das Gefühl aus der Talsohle zwischen den Dünenkämmen aufzusteigen, Höhe zu gewinnen, bis man oben angekommen den fantastischen Blick über die endlose erscheinende, unwirtliche und doch atemberaubend schöne Wüstenlandschaft in sich aufnehmen kann, ist unbeschreiblich. Wir bestiegen die oft 200 m hohen Dünen meist über die scharfen Grate und die Höhenmeter summierten sich. Die anschließenden Abfahrten waren durchaus eine Herausforderung. Da wir mit Wanderski und Wanderschuhen unterwegs waren, gab es keine herkömmliche Skibindung aus Metall – die wäre durch den Sandabrieb nämlich schnell defekt – sondern nur eine Fixierung der Wanderschuhe durch Gummiriemen. Deshalb bevorzugten wir den Telemarkstil, fuhren gerade aus hinab und wurden dabei aber erstaunlich schnell. Den etwas übermütigen Versuch zu schwingen, habe ich sehr bald aufgegeben, weil sich der Sand bei einem Sturz sofort stark verdichtet und diese Aktion in einem harten Einschlag endete.

Fotografieren in dieser grandiosen Trockenwüste macht Spaß. Es bieten sich immer neue Perspektiven: die windgefrästen, unterschiedlichen Strukturen des Sandes, die Schwünge der auf- und absteigenden Dünenlinien, der Wechsel von tiefem Schatten zu gleißendem Licht. Morgens erscheint alles klar, frisch und irgendwie durchscheinend, mittags fällt das Licht senkrecht, hart, der Sand erscheint fast weiß, alles wird zur Silhouette. Gegen Abend wechselt das Licht in zunehmend warme, tiefe, rote Töne, es entsteht ein langer Schattenwurf. Die bekannte goldene Stunde.

Am zweiten Tag zogen dunkle Wolken auf und wir hatten das Glück, nach elf Jahren Trockenheit, den ersten Regen in der Namib zu erleben. Einerseits ergab das interessante Formationen am Himmel, andererseits war durch den Wind buchstäblich alles mit Sand paniert. Die Plastikhülle zum Schutz der Kamera leistete gute Dienste und ist mittlerweile fester Bestandteil im Kamerarucksack.

Mit etwas Glück sieht man eines der seltenen Tiere der namibischen Sandwüste. Spinnen, Käfer, Skorpione oder Eidechsen nutzen erstaunliche Strategien. Die Luftfeuchtigkeit der kühlen Nächte kondensiert zum Beispiel auf dem Chitinpanzer eines Käfers und die Tröpfchen werden durch Rinnen zur Mundöffnung geleitet. Andere graben sich im Sand ein, um sich vor der Hitze zu schützen. So auch eine Sidewinder oder Namibviper, die hervorgelockt durch die Vibrationen im Sand, plötzlich auftauchte und auf der Skispitze lag. Diese 40 cm lange Schlange ist, obwohl giftig, für den Menschen relativ ungefährlich. Dennoch wollte ich abends im Camp nicht mehr barfuß laufen.

Welch ein grandioser Kontrast. Hinter uns die gelbe Weite der namibischen Sandwüste, vor uns die blaue Unendlichkeit des Atlantiks. Oft liegt, bedingt durch den Benguela Strom, einer aus der Antarktis kommenden, kalten Meeresströmung, eine Nebelbank an der Küste.

Wir hatten die Durchquerung dieser einzigartigen Wüste innerhalb der genehmigten sechs Tage geschafft und uns vorgenommen, die mit 20 km Ausdehnung längste Düne der Welt, zur Brandung hinunter zu fahren. Es wurde der perfekte Abschluss einer ganz besonderen Ski Reise.

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