Besuch einer Fotobörse

Feb. 26, 2026 | News | 0 Kommentare

Ein Blick zurück.

„Das ist ein Stereobildbetrachter, so um 1920“, sagte eine Stimme. Sie gehörte zu einem älteren Herrn, der sofort erkannt hatte, dass ich mit dem hölzernen Apparat in meinen Händen herzlich wenig anzufangen wusste. „Du musst den Schlitten verschieben, bis das Bild im Drahtrahmen scharf wird“, erklärte er geduldig.

Er saß hinter einem Tisch, der sich unter alten Faltkameras bog und grinste mich verschmitzt an. Das war ein perfekter Auftakt.

Altglas trifft Moderne.

Vor etwa zwei Jahren hatte ich Jürgen bei der Vorbereitung meiner Ausstellung zur Tropfenfotografie kennengelernt. Aus der Begegnung entstand eine Freundschaft. Jürgen verfügt über profundes Wissen zu alten Kameras und Objektiven – und über eine bemerkenswerte Tüftlerleidenschaft. Er hat eine Methode entwickelt, sogenanntes „Altglas“ an moderne Kameras zu adaptieren. Sein lakonisches Motto: „Adaptieren kann ich alles – die Frage ist nur, ob es Sinn macht“.

Dieses System wollte er auf der Fotobörse in Stuttgart vorstellen und nebenbei einige seiner Kamera- und Objektiv-Raritäten anbieten. Für mich war klar: Das lasse ich mir nicht entgehen. Also bestückten wir gemeinsam einen von vielen Tischen in langer Reihe mit seinen Schätzen.

Treffpunkt für Gleichgesinnte.

Die Börse war gut besucht. Menschen jeden Alters schlenderten durch die Gänge. Manche stöberten scheinbar ziellos, andere mit präzisem Suchauftrag. Überall wurde geprüft, gedreht, geklickt. Verschlüsse schnappen noch immer so satt wie vor 80 Jahren. Und immer wieder dieses besondere Funkeln in den Augen, wenn jemand fündig wurde.

Mechanik mit Geschichte

Während Jürgen gerade einer Kundin sein Adaptersystem für ein Diaplan-Objektiv an eine Canon RF erklärte, mischte ich mich unter die Besucher. Meine Kamera mit 35mm f 1,8 umgehängt, streifte ich durch diese besondere Mischung aus Technikbegeisterung und Nostalgie.

Die Auslagen waren so vielfältig wie ihre Besitzer. Auf den Tischen: Mahagoni und Messing. Faltkameras mit Balgen wie kleine Akkordeons. Stereokameras mit doppeltem Blick, winzige Apparate, kleiner als eine Handfläche und vieles mehr. Platten- und Faltkameras, kistenweise Objektive mit klangvollen und längst vergessenen Namen. Das meiste gepflegt und funktionsfähig, manches mit Patina, aber alles mit Geschichte und bereit für ein weiteres Kapitel.

Sammleraugen und wenn Vernunft Pause hat.

An manchen Tischen lauschte ich angeregten Fachgesprächen. Es wurde über Seriennummern diskutiert, Produktionsjahre und über seltene Varianten. Ein Mann zeigte mir strahlend eine ergatterte Rollei und berichtete von seiner Leidenschaft. Er besitze alle Exemplare einer bestimmten Reihe, in Blau und Weiß – inklusive der Gold – Platin – Titanium Edition von 1968. Nur 444 Stück habe es gegeben, sagte er stolz, seine trüge die Nummer 44

– originalverpackt.

Sammeln um des Sammelns willen? Vielleicht. Aber vor allem: Leidenschaft.

Ein anderer Herr inmitten seiner wunderschönen alten Stücke, erzählte mir, dass er ein Leben lang gesammelt habe. Er habe inzwischen ein gewisses Alter erreicht, sei jedoch gesundheitlich angezählt und seine Kinder und Enkel könnten mit seiner Begeisterung nichts anfangen. Bevor alles irgendwann wahllos verteilt werde, gebe er seine Stücke lieber in andere, kundige Hände. Es klang ein bisschen nach Abschied- aber auch nach Verantwortung.

Am schönsten war jedoch die Geschichte eines Anbieters, der eine frisch restaurierte Plattenkamera verkaufen wollte und mir achselzuckend zwei weitere zeigte, die er eben erst erstanden hatte. Er habe einfach nicht widerstehen können. Jetzt müsse er diese beiden zuerst ebenfalls restaurieren, bevor er sie als Dreier-Set verkaufen könne.

Vernunft? Nebensache. Leidenschaft? Hauptsache.

Mehr als ein Foto-Markt.

Immer wieder fragte ich, ob ich fotografieren dürfe – was mir meist bereitwillig gestattet wurde und so fotografierte ich Material, Mechanik, Hände im Gespräch, wie es mir möglich war.

Als die Börse schloss war ich ziemlich froh, kein ausgeprägtes Sammler-Gen zu besitzen. Und zugleich war ich beindruckt von der Ernsthaftigkeit und Hingabe dieser Szene. Es war eine lehrreiche und inspirierende Erfahrung. Und falls sich die Gelegenheit bietet: Unbedingt hingehen. Es lohnt sich.

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