Street Fotografie mit Dirk Trampedach und Michael Guggolz
Ein Mentor ist ein erfahrener Wegbegleiter, der sein Wissen und seine Erfahrung teilt, Impulse gibt und den eigenen Weg fördert. Neben fachlichen Themen spielen auch Offenheit und Ehrlichkeit eine wesentliche Rolle.
Dirk Trampedach ist nicht nur mein Freund, sondern in Sachen Fotografie mein Mentor (auch wenn er das wahrscheinlich nicht so gerne hört). Fakt ist jedenfalls, dass er mir die Street Fotografie nahegebracht hat und seine Artikelreihe auf fotowissen.eu war für mich die Basis für meine wortwörtlich ersten „Geh-Versuche“ in der Straßenfotografie.
Die wesentlichen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Fotowalk waren also gegeben, fehlte nur noch ein Termin. Wir verabredeten uns für das zweite Advent Wochenende in Freiburg. Dirk war vernünftig und nahm die Autobahn von Siegen. Ich fahre auch lieber Auto, entschied mich aber für den Bummelzug mit Umsteigen, inklusive Nostalgie-Tempo und somit Zeit, mir ein paar Aspekte der Street Fotografie in Erinnerung zu rufen. Der Vorteil war, dass wir abends gemeinsam zu mir nach Hause in den Hochschwarzwald fahren konnten.
Ich war fast zwei Stunden zu früh in Freiburg und hatte schon ein paar Fotos im Kasten, als wir uns, wie verabredet, am Hauptbahnhof trafen.



Kurze Begrüßung. Umarmung… alles gut? Klar. Geht´s los? … wohin?
Sowieso schon in der Bahnhofregion, ist unser erstes Ziel die blaue Brücke -oder korrekt die Wiwi- benannt nach der nicaraguanischen Partnerstadt Wiwili. Die Brücke ist blau, mehr oder weniger, überspannt die Gleise zum Bahnhof und wer in Freiburg unterwegs ist, kommt früher oder später drüber. Sie ist die Radfahrer- Hauptschlagader und verbindet Freiburg mit allem anderen und die Radfahrer selbst mit dem festen Glauben, Vorfahrt sei eine innere Grundhaltung und gelte in ganz Freiburg. Nicht ganz ungefährlich für Fußgänger und Autofahrer.
Immerhin bietet die Brücke nicht selten tolle Motive für Street- Fotografen und wir nehmen tatsächlich ein paar Fotos mit. Es ist ein nebliger, kühler Samstagmorgen, oder in Freiburger Mundart ausgedrückt … schuudrig … und nach einer Runde durch den Stadtteil Stühlinger, bietet sich die Gelegenheit für eine erste Kaffeepause in der Cafeteria des Radparkhauses, mit Blick auf die Stadt.




Gemächlich schlendern wir anschließend in Richtung Altstadt, vorbei an der Uni Bibliothek, in deren Glasfronten sich viele Motive spiegeln, weiter zum alten Rathaus. Der relativ kleine Platz wird fast vollständig ausgefüllt durch die Stände des Weihnachtsmarkts und entsprechend viel Publikum. Überall Lichter, Stimmen, Düfte. Immer wieder bleibt einer von uns stehen, macht ein Foto, manchmal sehen wir ein Motiv fast gleichzeitig. Ich werde gemaßregelt von einer auffällig gekleideten Frau, weil ich aus niederer Perspektive über den Straßenbahngleisen fotografiere… „wie wär’s mit vorher fragen“… keine Ahnung, wie ich das auf die Schnelle vorher hätte machen sollen. DSGVO lässt grüßen.


Wir gehen durch Hauptgeschäftsstraßen zum Münster, dem Wahrzeichen der Stadt. Manche Kunsthistoriker bezeichnen den Münsterturm, aufgrund seines durchbrochenen Turmhelms, als schönsten Turm der Christenheit. Der Münsterplatz ist brechend voll. Wir schieben uns im Gedränge einmal rund ums Münster und müssen darauf achten, uns nicht zu verlieren. Offensichtlich kommt hier alles zusammen; letzte Weihnachtseinkäufe, Wochenmarkt, Touristen und die Gelegenheit zu einem Imbiss. An fotografieren ist für mich nicht zu denken; zwar gäbe es sicher genügend Motive, aber ich kann sie nicht mehr erkennen. Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht. Nichts wie weg! Wir entkommen dem Zwiebel-Bratwurst Geruch durch verwinkelte Gassen, streifen durch das charmante Konviktgässle, durch die Markthalle zur Gerberau und belichten auf dem Weg noch das eine oder andere Foto. Die Gerberau war bereits im dreizehnten Jahrhundert Teil der Vorstadt zwischen Martinstor und Schwabentor. Freiburg bietet viele besondere Ecken und Plätze und damit gute Gelegenheiten zur Street Fotografie.
Wir haben auch analoge Kameras mitgenommen und Dirk gibt mir eine Einführung in meine Kamera. Aber meine Auffassungsmöglichkeiten sind mittlerweile erschöpft und so belassen wir´s dabei. Sicher finden wir noch weitere Gelegenheiten dafür. Stattdessen steuern wir wiederum ein Kaffee an, genießen Kaffee und Kuchen und reden über etwas anderes als Fotografie.
Es ist inzwischen schon Nachmittag und mir kommt eine Idee. Wenn wir Glück haben, könnten wir auf dem Heimweg über den Schauinsland, Freiburgs 1284m hohen Hausberg, vielleicht noch ein paar Fotos von den Windbuchen im Nebel…über dem Nebel in die Rheinebene… im Sonnenuntergang… und tatsächlich…
Aber das ist dann eine andere Geschichte.
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